Brief an die Puchheimer Bürger zum Bürgerentscheid

Liebe Puchheimerinnen und Puchheimer!

Am Laurenzer Weg am ehemaligen Erdbeerfeld soll eine Tiefen-Geothermieanlage errichtet werden. Ein bereits seit über 10 Jahren andauerndes Projekt der Politiker in Puchheim. Was aus unserer Sicht von den Stadtvertretern nicht aufrichtig an uns betroffene Bürgerinnen und Bürger weitergegeben wird, sind Informationen zu den damit verbundenen Risiken.

Unser Bürgermeister sowie die Mehrheit der Stadtvertreter sehen die mit dem Bau dieser Geothermieanlage in Puchheim verbundenen Risiken als gering und vertretbar an. Letztendlich soll das große Ganze über die Individualinteressen gestellt werden. Aber 2600 Unterschriften von besorgten Puchheimer Bürgerinnen und Bürgern für unser Bürgerbegehren gegen die Geothermie sprechen eine deutliche Sprache, die klar über Individualinteressen hinausgeht!

Deshalb sagen wir NEIN zur Position der Stadtvertreter!

Unsere Bürgerinitiative beschäftigt sich seit ca. 9 Monaten intensiv mit dem Thema Tiefengeothermie und ist dabei zu dem eindeutigen Schluss gekommen, dass die Risiken für Puchheim und angrenzende Gemeinden viel zu groß sind.

Das begründet sich v.a. mit den besonderen Gegebenheiten des Puchheimer Untergrundes – als Moorgebiet und dem sehr hohen Grundwasserspiegel, den es bei keiner anderen bekannten Geothermieanlage in der Region gibt!
Gerade deshalb sind viele Keller in Puchheim in Wannen gebaut und bereits ein sehr feiner Riss darin würde unmittelbar zu Wassereintritt in die Gebäude führen.
Dazu muss man wissen, dass Erdbeben, die nachweislich im Zusammenhang mit der Tiefengeothermie auftreten (z.B. Poing, Unterhaching, Dürrnhaar), gerade durch den besonderen Untergrund und die geringere Bohrtiefe in Puchheim (nur 2,1 km) verstärkt werden und somit zu erheblich größeren Schäden führen können, als an anderen Standorten.

Ein Risiko, dessen Tragweite für uns Bürger überhaupt nicht abgesehen werden kann!
In Poing waren die detonationsartigen Erdstöße noch in 5 km Entfernung von der Geothermieanlage spürbar!
Hinzu kommt, dass niemand vorhersagen kann, wann und in welcher Stärke ein Beben auftritt (in Poing erst nach fünf Jahren Betrieb!).

Sollte ein solches Ereignis eintreten, erfolgt innerhalb des Einwirkungsbereiches eine Schadensabwicklung nach dem Bergrecht, der Bergschadensvermutung (§120 BbergG). Die Stadtvertreter sprechen hier von einer Beweislastumkehr, d.h. der Betreiber haftet, wenn er keine anderen Alternativursachen für den Schaden darlegen kann. Faktisch handelt es sich aber um keine Beweislastumkehr (das haben wir juristisch prüfen lassen), da bereits die bloße Möglichkeit von Alternativursachen ausreicht, um die Bergschadensvermutung so zu erschüttern, dass sie nicht mehr gilt. Mögliche Alternativursachen sind z.B. Baumängel oder naturbedingte geologische oder hydrologische Einflüsse auf den Baugrund.

Grundwasser, Hochwasserhistorie und Müll im Untergrund in Teilen von Puchheim (Planie) sind schon die ersten offensichtlichen Beispiele, mit denen der Betreiber die Schuld von sich weisen kann.

Somit bleibt die Beweisführung beim Geschädigten hängen und jeder weiß, wie schwierig es ist, Schadenersatz von Versicherungen einzuklagen (langwierig, teuer, offener Ausgang).
So warten z.B. Geothermie-Geschädigte an den Standorten Poing und Landau bis heute vergeblich auf Entschädigung, denn die Betreiber bestreiten die Zusammenhänge. Dazu kommt, dass keine Versicherung (Elementarschaden, Hausrat, Rechtsschutz) solche Verfahren abdeckt.

Diese Risiken, die in Puchheim ungewöhnlich hoch sind, werden, ähnlich wie in
Hochwassergebieten, zu empfindlichen Wertverlusten bei Wohneigentum führen! Und es geht hier nicht um Besitzstandswahrung, sondern um unsere existenzielle Absicherung im Alter! Für viele ist das Eigenheim ein wichtiger Bestandteil ihrer Altersvorsorge und mit einer Rente können i.d.R. nicht ohne Weiteres hohe Kosten für Gebäudeschäden und langwierige Rechtsstreitigkeiten aufgefangen werden.
Wenn die Stadtvertreter bei diesen unkalkulierbaren Risiken das große Ganze darüber stellen, dann wird hier am Ende einfach nur leichtfertig mit der Absicherung der Bürger gespielt!

Unabhängig von all den Risiken ergeben sich auch bei einer ganzheitlichen Betrachtung der CO2-Bilanz mit Geothermie in Puchheim keinerlei Einsparungen.
Das vorhandene Gasblockheizkraftwerk im Gewerbegebiet Süd erzeugt heute bereits mit hoher Effizienz und umweltfreundlich (tlw. bereits mit Biogas betrieben) Strom und Fernwärme. Die Geothermie soll zukünftig die Heizwärme aus dem Blockheizkraftwerk ersetzen, die Stromerzeugung fällt aber weg und Strom muss zugekauft werden. Legt man korrekterweise den offiziellen Strommix zugrunde, so erhält man letztlich eine negative CO2-Bilanz: Es wird mehr CO2 freigesetzt als zuvor!

Fernwärme aus Tiefen-Geothermie ist aufgrund der hohen Errichtungs- und Betriebskosten teuer!

Wir fragen uns auch, ob das bestehende alte Fernwärmenetz in Puchheim wirklich geeignet ist für den Geothermie-Anschluss und gehen mittelfristig von einer deutlichen Kostensteigerung für den Endverbraucher aus.

Es gibt weitaus bessere, kostengünstigere und weniger risikobehaftete Alternativen!
Sie sind den Stadtvertretern bekannt.

Fazit ist, dass es keinerlei überzeugende Gründe dafür gibt, den Bürgern die Risiken zuzumuten, die eine Tiefen-Geothermie speziell am Standort Puchheim verursachen wird.
Um das Projekt zu verhindern, benötigen wir Ihre Stimme beim Bürgerentscheid am 22. Juli (Briefwahl ab Ende Juni)!

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Michael Peukert für
Ihre Bürgerinitiative Geothermie Puchheim e.V.