Häufig gestellte Fragen

 

  1. Was ist Geothermie?
    Geothermie ist ein Verfahren zur Wärme- und Stromerzeugung durch die Entnahme von sog. Tiefenwasser aus tiefen Erdschichten. Das heiße Wasser wird aus Tiefen von über 2.000 m an die Oberfläche befördert, wo die Wärme an einen zweiten Wasserkreislauf übergeben wird. Dieser übernimmt dann den eigentlichen Wärmetransport zum Verbraucher. Dem geförderten Tiefenwasser wird die Wärme entzogen und das abgekühlte Wasser wieder hinab befördert. (Siehe auch Wikipedia)


  2. Wo soll in Puchheim ein Geothermie-Kraftwerk errichtet werden?
    Die Stadt Puchheim plant am Laurenzerweg auf dem ehemaligen Erdbeerfeld gegenüber vom Ikarus-Park ein Geothermie-Wärmekraftwerk zu errichten. Das heiße Tiefenwasser kann dabei nur zur Gewinnung von Fernwärme genutzt werden, für Stromerzeugung reichen die Temperaturen des Tiefenwassers nicht aus (ca. 80-85 Grad).


  3. Welche Risiken bestehen bei  Bohrungen und Betreiben einer Anlage?
    Für die Tiefen-Geothermie notwendige Bohrungen können je nach geophysikalischer Lage bis zu mehrere tausend Meter tief in die Erdschichten gehen. In Puchheim selbst ist eine Tiefe von ca. 2100 m geplant. Dabei werden sämtliche Schichten durchdrungen, bis auf ausreichend heißes Wasser gestoßen wird. Je nach Wassertemperatur und -menge können entweder nur Wärme oder auch Strom erzeugt werden. Eine Stromgewinnung in Puchheim ist auf Grund der zu niedrigen Temperatur des Tiefenwassers (max. 85 °C) nicht möglich.
    Da das Wasser lediglich abgekühlt wird, findet normalerweise kein unmittelbarer Stoffaustausch mit der Umwelt statt.  Ein Problem kann entstehen – je nach dem, aus was die geologischen Formationen bestehen – wenn es zu ungewollten Wechselwirkungen der Erdschichten mit dem Tiefenwasser kommt,  z.b. durch undichte Rohrsysteme. Das eindringende Wasser kann zu einem Aufquellen von Erdschichten führen, was wiederum auch auf der Oberfläche wahrnehmbar sein kann.  Im Extremfall kommt es dadurch zu sichtbaren Erdverschiebungen oder Erschütterungen. Das aus unserer Sicht größte Risiko (da mittlerweile von Geologie-Experten bestätigt) ist die Zurückinjektion des  abgekühlten Wassers. Das kann zu ungewollten starken Spannungsentladungen im Gestein führen, wie sehr wahrscheinlich in Poing  bereits 3x geschehen. Nachdem man nach den ersten 2 Erdbeben in 12/2016 u.a. genauere Meßpunkte installiert hatte, konnte das Epizentrum des letztens Bebens genau am Rückführungspunkt des abgekühlten Wassers lokalisiert werden.


  4. Mit welchen Auswirkungen ist in Puchheim zu rechnen?
    Puchheim liegt auf einer ähnlichen Erdschichtenformation wie Poing. Daher kann man grundsätzlich davon ausgehen, dass bei uns derartige Eingriffe ins Erdreich vergleichbare Auswirkungen wie in Poing haben werden. Im Unterschied zu Poing – und das macht es in unserer Region (dazu zählen neben Puchheim auch Eichenau, Alling, Germering, Gröbenzell) zum noch größeren Problem  –  stehen hier viele Häuser tief im Grundwasser! In Poing befindet sich z.B. der Grundwasserspiegel ca. 4,50m unter der Erdoberfläche, in Puchheim aber nur ca. 2m und nimmt in Perioden längerer Regenfälle oder bei Schmelzwasser im Winter noch weiter ab. Details siehe Reiter Risiken. Selbst kleine Risse in den bei uns üblichen weißen und schwarzen Wannen hätten fatale Folgen, da das Grundwasser dann sofort oder (versicherungstechnisch noch viel problematischer) „zeitverzögert“  eindringen und damit teure Schäden hervorrufen kann!


  5. Wer würde für entstandene Schäden durch die Geothermieanlage in Puchheim haften?
    Unser Bestreben als Bürgerinitiative war es, ein akzeptables und unbürokratisches  Schadensmanagement zu erwirken, das nicht auf  Beweisbarkeit sondern auf Indizien beruht und bei dem die Risiken durch entsprechende Maßnahmen der Betreiber (u.a. viel höhere Versicherungssumme als bisher geplant – derzeit nur 10 Mio € – jede Haftpflichtversicherung deckt i.d.R 100 Mio € ab) abgedeckt sind. Da trotz vieler Bemühungen unsererseits ein solches Verfahren  schon seitens der Stadt nicht einmal im Ansatz erkennbar war, aber auch, weil aus Erfahrungen aus allen anderen geothermiebedingten Erdbeben der Betreiber immer jede Verantwortung abgelehnt hat, haben wir uns zu Durchführung des Bürgerbegehrens mit dem Ziel des Stopps der Anlage entschlossen.


  6. Was genau ist das Problem bei auftretenden Schäden?
    Prinzipiell muss bei entstandenen Schäden der Verursacher für die Reparaturen aufkommen, eine Beweislastumkehr besteht gesetzlich seit 2016. Auf Grund der bisherigen Erfahrungen in den bereits „geothermiebetroffenen“ Gegenden würde es für uns sehr schwer bis unmöglich werden, dem Betreiber den Schaden am eigenen Haus nachzuweisen, da die notwendige Beweisbarkeit sehr wahrscheinlich nicht erreicht werden wird … trotz evtl. vielfach erdrückender Indizien. So konkret geschehen im Fall Poing! Seit 1390 (Beginn der Aufzeichnungen) gab es dort nachweislich keine messbaren Erdbeben. Seit es dort jedoch eine Geothermie-Anlage gibt, gab es bereits drei spürbare Erdbeben!  Beides starke Indizien, aber bisher wurde von den Betreibern jede Schuld abgelehnt.  Fazit daraus ist, dass im Schadensfall für eine Reparatur der Schäden  jeder einzelne Betroffene selbst und wegen der Dringlichkeit auch sofort aufkommen muss. Klagen bezüglich Erstattung dieser Kosten werden sich dann über mehrere Gerichtsprozesse und über eine sehr lange Zeit in die Länge ziehen, Ausgang offen!
    In anderen Gegenden, wo es bereits zu solchen Ereignissen kam, wie z.B. in Poing (2016 und 2017) und Landau (2009),  kämpfen die Betroffenen bis heute erfolglos um eine Entschädigung.