Heizkosten, Zwangsanschluß & Fernwärmenetz

Fernwärmekosten in Puchheim

Die Fernwärme ist in Puchheim bereits jetzt sehr teuer! Wer an die Fernwärme angeschlossen ist (Betreiber Bayernwerk Natur, Subnetz Danpower), zahlt – Bsp.  75 m2 Wohnung –  ca. 1400 €  !  (Stand 06/2018) – enthalten sind Heizkosten mit ca. 1150 € und Warmwasser mit ca. 250 €.

Zum Vergleich über das Vergleichsportal Check24 könnte ein durchschnittlicher Verbraucher  mit ca. 75 qm in Puchheim ökologisches Biogas (!) für ca. 650 € beziehen, bei den SW München als relativ teurer Anbieter immerhin noch für 780 €!  Da ist die Puchheimer Fernwärme schon mal doppelt so teuer.  Diese hohen Kosten wurden übrigens im Beschluß des Bundeskartellamtes  02/2017  – B 8 – 31/13 beanstandet und mit hohen Kompensationszahlungen verurteilt.
Auszug aus dem Urteil:  … Bei Bestandskunden der Fernwärmenetze Puchheim-Planie und ..,  DES verpflichtet sich, ihren Bestandskunden im Fernwärmenetz Puchheim-Planie eine Kompensation in Höhe von insgesamt rund 153.000 € (netto) zu leisten. Dieser Betrag wird in der Zukunft durch Gewährung eines gesondert auszuweisenden Nachlasses für jeden Bestandskunden in der Jahresschlussrechnung geleistet („Kompensationsbetrag Puchheim“) …
Anm.: DES -Danpower Energie Service

Zwangsanschluß …
Alle Bürger, die über das Blockheizkraftwerk Ikaruszenter an die Fernwärme angeschlossen sind, würden faktisch an das Geothermie Fernwärme zwangsangeschlossen werden. Es besteht desweiteren ein hohes Risiko für alle zukünftige Neubaugebiete ab einer Zahl von ca. 10 Mietsparteien  (nur dann lohnt es sich noch für den Betreiber), angeschlossen zu werden, deren Standort günstig zum Fernwärmenetz liegen.
Die Krux: Im Vergleich zu vielen anderen Heizsystemen ist ein Fernwärmenetz nur dann wirtschaftlich, wenn es viele Haushalte mit Energie versorgt. Damit das möglich ist, dürfen Gemeinden einen Anschlusszwang verhängen. Voraussetzung ist, dass das Fernwärmesystem dem Umwelt- und Klimaschutz dient. Ist das der Fall, haben Verbraucher keine Wahl und müssen Wärme aus dem Netz beziehen. Wichtig zu wissen: Auf Grund einer neuen Gesetzgebung können  Eigentümer, die bereits über eine eigene Heizung verfügen, nicht zum Zwangsanschluss gezwungen werden.

Warum würden die Fernwärme-Kosten weiter steigen?
Es gibt keine teuere Energiegewinnung als Tiefengeothermie! Allein die Bohrkosten werden ca. 16 Mio € betragen (haben sich bei anderen Geothermie-Projekten auch schon mal verdoppelt, z.B. Sauerlach) , die natürlich später auf die Fernwärmebezieher umgelegt wird. Auch das bestehende Fernwärmenetz kann ohne erhebliche Effizienzverluste keinesfalls 1:1 an die geplante Geothermieanlage angeschlossen werden!
Es müssen sehr hohe Investionen getätigt werden, um Wärmequelle (Geothermie) und Wärmeabnehmer (Netz) kompatibel und effizient zu machen!   Desweiteren muss zwingend ein Backup betrieben werden, da die Geothermieanlage im Fall von spürbaren Erdbeben (siehe Poing) zumindest temporär stillgelegt werden muss und eine  Wärmeversorgung  aus einer anderen Quelle sichergestellt werden muss. Hohe Zusatzkosten! Ähnliches gilt für Betriebsausfälle bedingt durch die aufwendigen Wartungs- und Reparaturarbeiten.  Auch reicht die Temperatur des Tiefenwassers in Puchheim nicht aus.  Siehe weiter unten „Technische Probleme und Wirtschaftlichkeit“.  Die Fernwärme aus Geothermie wird in Puchheim auch dadurch teurer, weil die jetzt schon sehr lange Lieferantenkette für Fernwärme in Puchheim durch den Erdwärme-Lieferanten noch weiter wächst und sich dadurch zusätzlich verteuert. Alle Lieferanten verdienen mit!

Marktbeherrschung
Es liegt in der Natur der Sache: Der jeweilige Fernwärmeversorger ist in dem Gebiet, in dem er die Versorgung mit Fernwärme übernommen hat, marktbeherrschend. Der Bezieher kann keinen anderen Fernwärmeanbieter auswählen. Diese Monopolstellung führt nicht selten zu Monopolpreisen und kann dann nur durch Gerichte und gesetzl. Regelungen eingedämmt werden, siehe weiter oben, Planie und Bundeskartellamt.  I.d.R. muss aufwendig geklagt werden und erst mit erheblichen Zeitverzug kann agiert werden, wenn der Fakt des überhöhten Preises bereits lange vorliegt.

… weitere Beispiele hoher Fernwärme Preise
Fernwärme ist aber nicht nur in Puchheim teuer, auch Unterhaching weist z.B. Preise aus, die ca. 120% über den oben genannten Biogaspreisen von Check24 liegen … Unterhaching hat bereits Geothermie- Fernwärme!
Und dies trotz der Tatsache, dass dort die Fernwärme aus einer im Vergleich zu  Puchheim  deutlich ergiebigeren  und heißeren Thermalquelle gewonnen wird.
Preisblatt Unterhaching, Stand 10/2017

Weitere Bsp. in unmittelbarer Nähe sind Sauerlach, Kirchenstockach, …

Auch eine frühere Studie, beauftragt durch die „BI Schutz Westufer Starnberger See e.V.“ belegt, dass Geothermie-Fernwärme i.d.R. mit hohen Kosten gleichzusetzen ist.
http://alternative-energiequellen.info/tiefe-geothermie/

Technische Probleme und Wirtschaftlichkeit:
Das Fernwärmenetz in Puchheim kann nicht mit dem  Netz von Freiham verglichen werden. Wir reden hier von  völlig anderen Welten!

Das Fernwärmenetz in Freiham ist durch eine neu  errichtete Wohnsiedlung hinsichtlich der Temperatur- und Heizanforderungen optimal  auf Geothermie eingestellt (u.a. auch mit Niedertemperatur-Heizbereichen mit nur ca.30-40 Grad Vorlauftemperatur). Dadurch wird im Gegensatz zu Puchheim nicht nur die Erdwärme optimal genutzt, es ist auch bei einer Tiefenwassertemperatur von ca. 85 Grad kein Nachheizen notwendig.

Im Puchheimer Netz, das nicht für Geothermie ausgelegt wurde, müssen viele alte Objekte mit entsprechenden Heizungen versorgt werden, die  eine sehr viel höhere Vorlauftemperatur (mindestens 80 Grad) voraussetzen. D.h. bei einer erwarteten Temperatur des Tiefenwassers von max. 80 Grad und einzurechnenden Verlusten im Wärmetauscher (ca. 10%) und den Wärmetransportverlusten im Netz (ca. 15%) muß das Wasser in den Heizperioden zusätzlich um mindestens 20 Grad hochgeheizt werden.
Desweiteren gibt es die Einschätzung, dass die derzeitigen Fernwärmerohre  die angepriesene Leistung der Geothermie unter Vollast überhaupt nicht aufnehmen können.

Schätzungen von Experten ergeben auf der anderen Seite, dass bis zu ca. 70% des Jahres die Geothermiewärme in Puchheim nicht verbraucht werden kann (in den heizungsarmen Monaten April – Oktober wird es nur sehr geringe Abnahmen geben), während Freiham auf Grund der Netzgröße mit Anbindung der Stadt München in der Lage sein wird, diese Wärme nutzbringend  weiterzugeben.

Fazit:
Auch für alle Fernwärmebezieher und insbesondere Mieter kann es nur eine logische Schlussfolgerung geben: Stimmen Sie am 22.7.18  gegen die Geothermie, und bewahren Sie Ihren Haushalt vor einer Kostenexplosion der Heiz- und Warmwasserkosten!