Risiken

Hohes Grundwasser

Während der Grundwasserspiegel in Poing im Jahresmittel bei ca. 4,50 m unter der Erdoberfläche liegt, sind das in Puchheim und Eichenau im Mittel nur ca. 2 m und in Gröbenzell sogar nur ca. 1,50 m (!).  D.h. alle Keller und Tiefgaragen stehen dort mehr oder weniger in einer wasserführenden Kiesschicht.

Dabei sind nicht nur Immobilien gefährdet die auf weißen Wannen (wasserdichtem Beton) stehen. Noch gefährdeter sind Bauwerke mit schwarzen Wannen (Mauerwerk, verputzt und von außen wasserdicht beschichtet), da hier nicht nur das Eindringen von Wasser in die Keller, sondern auch die komplette Durchfeuchtung der Kelleraußenwände zu befürchten ist. Risse in Bodenplatten oder Kellerwänden, die schon durch geringe Bodensenkungen oder Bodenhebungen entstehen können, hätten daher in den genannten Orten weitaus größere Folgen als z.B. in Poing.

Darstellung der Grundwasserproblematik in Puchheim


Hier finden Sie die aktuellen Grundwasserstände in unserer Umgebung:

  1. Poing
  2. Puchheim
  3. Gröbenzell
  4. Eichenau
  5. Olching
  6. Germering
  7. Oberhaching
    (Anm.: Oberhaching wurde von uns eingefügt, weil der ehemalige Unterhachinger Bgm. Knapek am 6.7.18  zur Informationsveranstaltung ZIEL21 im PUC Puchheim behauptete, dass sein Haus in Oberhaching ebenfalls im Grundwasser steht …)

Eine schnelle Übersicht über die uns betreffende Region findet man übrigens hier: Grundwasserstände 

Instabiler Untergrund in Puchheims Zentrum 

Puchheims Zentrum steht tlw. auf Müll! Hier finden Sie das Altlastengebiet  der damaligen Mülldeponie (Quelle: Stadtarchiv Puchheim). Problematisch ist dies für alle, bei denen im Zuge der späteren Bebauung  diese Müllschichten nicht oder nur tlw. beseitigt wurden! Bei Erschütterungen jeglicher Art werden diese Gebäude durch die Labilität des Untergrundes besonderen Risiken ausgesetzt und mögliche Schäden werden sehr wahrscheinlich höher ausfallen, als bei Gebäuden, die nicht auf diesen Flächen gebaut wurden. Desweiteren befürchten wir, dass dann evtl. hinzugezogene Gutachter den Untergrund als hauptsächliche Schadensursache bzw. Schadenshöhe feststellen werden und Betroffene keine oder nur geringe Chance haben, eine angemessene Entschädigung vom Betreiber zu bekommen.

Gefährlicher Müll als Risiko für Mensch und Natur

Bei Erschütterungen kann es zu Rissen im Erdbereich kommen, so dass aus der Müllschicht, die weder nach unten noch nach oben abgedichtet ist, gefährliche Stoffe (Arsen, Quecksilber, …, Quelle: Golfplatzstudie) in die Umwelt austreten und belasten können. Gefährdet wären dann Grundwasser und Oberfläche. Ausgasungen sind dann ebenfalls nicht völlig auszuschließen. Hierbei ist noch anzumerken, dass der Müll auf Wiesen und unbebauten Gelände tlw. direkt unter der Erdoberfläche liegt!

Weiche Böden verstärken Erdbeben

Puchheim hat auf Grund der ehemaligen Moorlandschaft mit lockerem Kiesuntergrund nicht nur hohes Grundwasser, sondern auch weiche Böden. Im Vergleich zu hartem felsigen Untergrund können weiche Lockergesteine (Sand, Kies) die Bodenbewegungen bei Erdbeben um ein Vielfaches verstärken!

Zitat aus dem folgend verlinkten Artikel:  … „Doch viele Gebäude …  stünden auf Sand und Kies, so der Geophysiker, dem denkbar schlechtesten Baugrund. Denn er verstärkt die zerstörerische Kraft der Erdstöße – mit unabsehbaren Folgen für alle Bauwerke. …    Sand und Kies Untergrund verstärkt Erdbeben.
Aber nicht nur obiger Artikel weist auf die Problematik weichen Untergrundes hin, auch folgender Artikel bestätigt die Problematik:

Hier der vollständige Artikel, die Problematik weicher Böden kann man dort auf S. 11 nachlesen.

Auch die Bohrtiefe bestimmt  die Stärke von Erdbeben 

Nach Erkenntnissen der Geothermie-Experten besteht das größte Risiko für die Auslösung von  Erdbeben an der Stelle, an der die Rückführung des abgekühlten Wasser in das Tiefengestein erfolgt.  Grund ist die plötzliche (und schwer bis gar nicht voraussagbare) Auflösung  von Spannungen im Gestein, die sich über die Zeit aufgebaut haben und vermutlich auf die Temperaturunterschiede zurückzuführen sind.  Das kann durchaus einige Jahre dauern, bis es zu ersten Erdbeben kommt. Bsp. Poing, wo es erst nach ca. 5 Jahren, und dann gleich zu zwei spürbaren Erdbeben  kam (12/2016), ein weiteres Erdbeben folgte dort 11/2017 – siehe auch Geothermie-Poing

Warum kam es aber z.b. in Unterhaching, wo es nachweislich ebenfalls viele (aber nicht spürbare) Erdbeben gab, nicht zu ähnlich starken Auswirkungen wie in Poing? Ein Grund ist die Bodenbeschaffenheit, die man   weiter oben nachlesen kann.
Ein weiterer Grund ist die unterschiedliche Tiefe der Bohrung!  Die Bohrungen in Unterhaching sind z.B. ca. 3550 Meter, in Poing jedoch nur ca. 3000 Meter tief. Das ist ein wichtiger Auswirkungsaspekt ( = Schadensrisiko!), den wir nachfolgend näher erklären werden.

Im Beispiel Unterhaching im Vergleich zu Poing bedeutet das nun, dass Unterhaching eine um 550 Meter größere Entfernung (Bohrende bis Erdoberfläche) aufweist, als Poing. Unterhaching ist also bzgl. Entfernung  weniger gefährdet als Poing. Die Bohrung in Puchheim soll bei 2100 Meter enden, weil genau in dieser Tief das heiße Tiefenwasser vermutet wird.  Puchheim  ist damit weit mehr gefährdet als Poing! Um wieviel?

Vom Erdbebenherd (Reinjektionsstelle) breiten sich die Erdbebenwellen im Normalfall nicht gleichmäßig kugelförmig aus, sondern haben eine Vorzugsrichtung,  die abhängig ist von Bruchkanten im Gestein. Das bedeutet, dass die Auswirkungen eines induzierten Bebens an der Oberfläche nicht gleichmäßig verteilt auftreten, sondern an einigen Stellen stärker, an anderen schwächer. Einige Häuser werden stärker, andere schwächer betroffen sein, obwohl sie in geringer Entfernung voneinander stehen. Der genaue Verlauf  von Bruchkanten in 2100 Metern Tiefe ist  in Puchheim nicht bekannt, da lediglich aus Untersuchungen in der Vergangenheit eine sogenannte 2D Seismik vorliegt (Stand der Technik ist heute eine 3D-Seismik). Damit ist eine exakte Ausbreitungsprognose von Erdbebenwellen ausgehend von der Reinjektionsstelle, die generell sehr schwierig ist, nicht möglich. Möglich ist aber eine allgemeine Aussage zur Entfernungsabhängigkeit.

So ergibt sich in Puchheim schon alleine aufgrund der geringeren Tiefe (= Entfernung zur Erdoberfläche) der Reinjektionsstelle mit 2100 Metern im Vergleich zu Poing mit 3000 Metern eine um bis zum Faktor 2 (!) stärkere Auswirkung.

Daraus folgt, dass Puchheim, definitiv zwei zusätzliche Risiken bzgl. möglicher Erdbebenstärke und Schadenspotential mitbringt:

Puchheim hat einen sehr weichen Boden –> Erdbebenverstärkung!
–> mindestens Faktor 2 gegenüber Poing.
Puchheim hat eine geringere Bohrtiefe –> Erdbebenverstärkung!
–> mindestens Faktor 2  gegenüber Poing.

Daraus kann man im optimistischsten Fall ableiten, dass die Stärke von Erdbeben in Puchheim  sehr wahrscheinlich mindestens das 4fache gegenüber Poing haben werden! Die Auswirkungen werden in Puchheim noch dazu drastischer sein, da Poing nicht im Grundwasser liegt, Puchheim aber fast vollständig  (ebenso wie Eichenau und der Norden von Gröbenzell)!

Es bleibt uns rätselhaft, wieso man seitens der Geothermie Befürworter  zumindest bei den bisherigen Informationsveranstaltungen (Stadt Puchheim am 8.2.18 und ZIEL21 am 6.7.18) und Einladung zahlreicher Experten zu keinem Zeitpunkt auf diese Puchheim spezifischen Risiken auch nur ansatzweise eingegangen ist!! Das ist grobe Fahrlässigkeit bezüglich  Informationspflicht gegenüber der eigenen Bevölkerung!

Wo wackelt es nach einem Erdbeben?

Es ist richtig, dass Häuser in zunehmender Höhe mehr wackeln als weiter unten und dadurch an den höher befindlichen  Wänden größere Kräfte wirken.
Dies ist in erster Instanz problematisch für hohe Gebäude, da in den oberen Gebäudebereichen die Risiken für Schäden am Größten sind.  Hierzu verweisen wir auf einen Aushang des Eigentümerbeirats Puchheim, , in dem die Risiken für Ihr Gebäude Bahnhofstr. 13 als unakzeptabel hoch eingeschätzt werden und deshalb eine klare Empfehlung  geben, sich gegen die Geothermie zu entscheiden.
Auf der anderen Seite kann man im Umkehrschluß  nicht ableiten, dass es  auf Grund der größeren Schwingen im oberen Bereich von Gebäuden der untere Bereich (Keller und Wannen) risikofrei ist. Seitens der Geothermiebefürworter werden gerne Worthülsen wie: „…  wenn nach DIN Norm gebaut wurde und keine Mängel vorliegen … , kann im unteren Bereich ja eigentlich nichts passieren.“  Hätte, wenn und aber –  hat leider mit der Realität im Bau nichts zu tun!  Welcher Hausbesitzer kann von sich behaupten, dass sein Haus  mängelfrei ist?! Zusätzlich haben der ständige Grundwasserdruck und die im (ca.) 10 Jahres Takt auftretenen  Grundwasserhochnotstände dazu beigetragen, dass die Bausubstanz vor allem in den  kritischsten Bereichen  keinesfalls  besser geworden ist. Kleinste Mikrorisse in den Betonwannen drohen bei zusätzlichen Beben so groß zu werden, dass nun doch Wasser eintritt!  Keine einzige Münchener Region mit Tiefengeothermie hat dieses Problem! Mikrorisse in Poing und Freiham wären bedeutungslos! Oft gibt es gar keine Wannen, man braucht sie bei den viel  niedrigeren Grundwasserständen schlicht und ergreifend nicht! Auch scheinen nur wenige der Befürworter zu wissen (oder besser, man möchte es nicht wissen, es passt ja so schlecht ins Ja-Sager – Konzept), dass die gern bemühte DIN Norm stetig weiterentwickelt wurde  und nachgebessert wurde. Bauten aus z.B. den 60er Jahren in Puchheim hatten weit weniger Anforderungen zu erfüllen als die heutige Bauten. Und eines sollte  man trotzdem nicht vergessen … unsere Region ist und war (bisher) kein  Erdbebengebiet! Seit dem Jahr 1390 gibt es Erdbebenaufzeichnungen und weder in Puchheim noch Poing kam es jemals zu Erdbeben (in Poing seit 2016 wegen der Geothermieanlage mittlerweile insgesamt 3x). Warum sollten Bauherren diesbezüglich besonders darauf geachtet haben??  Dieses spezifische Problem erzeugt erst die neuzeitliche Tiefengeothermie!!

Wirkbereich eines möglichen Bebens in Puchheim

Der Wirkbereich eines möglichen Bebens ist davon abhängig, wo letztendlich die beiden Bohrungen (Bohrung 1: Entnahme des Tiefenwassers, Bohrung 2: Rückführung des abgekühlten Tiefenwassers) in ca. 2 bis 2,5 km Tiefe enden. Erfahrungen aus Poing zeigten , dass der Wirkbereich mit ca. 5 km Durchmesser um das Epizentrum angenommen werden kann. Besonders gefährdet ist die Rückführungsstelle der zweiten Bohrung. Heute kann niemand sagen, wo diese sein wird.


Video-Dokumentation von betroffenen Bürgern nach dem Erdbeben in Poing:
BR, 21.9.2017, Geothermie lässt Erde beben

Eingriff in den regionalen Grünzug

Der geplante Geothermie-Standort befindet sich im Bereich des bisherigen regionalen Grünzugs zwischen Puchheim-Bhf und Puchheim-Ort. Grünzüge sind notwendig, um Biotope zu erhalten und in Siedlungsgebieten Fläche zur Frischluftzufuhr bzw -durchzug zu gewährleisten.  Im Bebauungsplan der Stadt Puchheim war die Fläche  für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft dargestellt. Als Ziel weist der Regionalplan hier aus: „Die regionalen Grünzüge sollen […] nicht geschmälert und durch größere Infrastrukturmaßnahmen nicht unterbrochen werden. Planungen und Maßnahmen in regionalen Grünzügen sollen im Einzelfall möglich sein, soweit die jeweilige Funktion […] nicht entgegensteht.“ Durch die Geothermieanlage erfolgt ein Eingriff in Natur und Landschaft! Daher kommt hier die Eingriffsregelung nach dem Bundesnaturschutzgesetz zum Tragen. Wir fragen uns, warum dieser Eingriff in unseren regionalen Grünzug durchgeführt wurde und die Stadt am 12.10.2016 den Bebauungsplan Nr. 38 zu Gunsten der Errichtung einer Geothermieanlage geändert hat, mit all den unabsehbaren Langzeitauswirkungen auf Mensch und Natur!

 Verschmutzung des Grundwassers

Geothermie-Bohranlagen benötigen Schmiermittel.  Diese können im ungünstigen Fall (z.B. durch Risse in den Bohrummantelungen, verursacht durch Beben oder menschliche Fehler) austreten und das Grundwasser verunreinigen.

Beweislastumkehr  und Bergschadensvermutung

Zur Beschwichtigung der Bürger und deren (berechtigten) Befürchtungen, im Schadensfall nicht entschädigt zu werden, wird von den Verantwortlichen gerne die Beweislastumkehr  strapaziert. Der Betreiber muss beweisen, dass er den Schaden nicht verursacht hat. Das klingt toll, ist es jedoch nicht! Die Beweislastumkehr  folgt nämlich der Bergschadensvermutung. Diese ist aber durchaus nicht so formuliert, dass der Betreiber automatisch haftet. Es reicht, dass der Betreiber lediglich andere plausible Ursachen aufzählen kann, um letztendlich doch nicht zu haften. Mülluntergrund oder etwaige Vormängel am Gebäude reichen z.B. aus, um sich aus der Haftung zu stehlen. Im Detail nachzulesen beim Umweltbundesamt unter der Rubrik „Bergrecht“.
Und hier das aktuelle Praxisbeispiel für Poing:  „… wir waren es nicht …“